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Underground. Donnerstag, 18. Juli 2019, 20 Uhr, rhiz Wien.
mit Katharina Klement, Barbi Marković, Astrid Nischkauer, Jörg Piringer, Peter Rantasa und Kunst oder Unfall ≠ Augusta und Kalle Aldis Laar

Im Zusammenhang mit der vom rhiz ausgerufenen neuen Programmlinie „Permanent Underground Festival“, zu deren Auftaktwoche der Salon Zwischenstation Zukunft eingeladen ist, schlagen wir als Orientierung den Begriff Underground vor, sozusagen als den Versuch einer begrifflichen Rückeroberung.

Seit einigen Jahren veranstalten wir einen Salon namens „Zwischenstation Zukunft“, aus dem Bedürfnis heraus, eine Kommunikations-Plattform zu schaffen von und für Künstler und Vertreter diverser anderer Bereiche (Wissenschaft, Kritik etc.). Ohne auf Genres, Sparten und übliche Veranstaltungsformen Rücksicht nehmen zu müssen, laden wir KünstlerInnen und andere Experten ein zu Präsentation und Austausch.

Jeder Salon gibt ein Thema, einen Leitbegriff oder eine Stimmung vor, auf die frei reagiert werden kann. Oder auch nicht. Das Präsentationsformat wird von den Teilnehmern frei gewählt, als Werkvorstellung, Improvisation, Performance, Redebeitrag oder sonstiger Darstellungsart.

geordnet poetisch chaotisch privat & öffentlich: Salon =~≠ Musik Bühne Text Büro Bewegung Hörspiel Treffpunkt Klangkunst Bar Bild Ton dj Gespräch

DIE Zukunft ist natürlich zu jeder Zeit eine Illusion. Genauso wie DIE Vergangenheit.

Kleiner Tricks menschlicher Kognition, in unsere Welt gesetzt, damit überhaupt etwas getan werden kann und nicht nichts. Trotzdem: Wann sonst soll Zeitdiagnostik stattfinden wenn nicht jetzt, um vielleicht endlich einmal das richtige zu tun was immer das wohl sein könnte?

Und so beschäftigen wir uns diesmal mit jenen Gefühlslagen und Stimmungen, die den zeitgenössischen Underground zum Zeitgenössischen machen und in Gegensatz bringen zu den versunkenen Entwürfen früherer Jahrzehnte, die als seelenlose Wiedergänger bis heute im Retrogewand durch die Clubs und Keller schweifen.  (Und wo könnte man da besser verhandeln als im rhiz - der Insel des „contemporary Underground, umbrandet von 80er, 90er und Nullerjahre Wochenend-Parties wie sie auf der Musikmeile des Wiener Gürtel und nicht nur hier am laufenden Band üblich sind?)

Natürlich könnten wir am Politischen schlechthin uns abarbeiten, oder am Ästhetischen, oder auch an den Segnungen der modernen Technik und den Verwüstungen die sie in unseren Seelen anrichtet oder am Wetter das uns alle umbringen wird und wenn nicht uns zumindest mähr als früher Kopfweh macht. Aber alle diese Themen machen den Underground nicht zum Underground so meinen wir, sondern bestimmen längst den Mainstream. ⇒ mehr

Eben weil der Begriff Underground räumlich wie relativ konnotiert ist und nur Bedeutung hat in einem Gegensatz gilt es, zu allererst die Richtung des Vektors dieses Gegenstzapaares im Möglichkeitsraum unserer Betrachtungen der Gegenwart zu bestimmen und die Domäne, in der dieser Raum überhaupt liegt.  Wir sagen, es ist die Domäne der Gefühle, der Großen und der Kleinen in der am deutlichsten werden kann, wie Underground und Mainstream sich zu einander verhalten

Unser Vorschlag also ist es, den Emotionalitäten und Stimmungen nachzuspüren, die Mainstream und Underground damals, als diese Praxen etabliert und diese Begriffe in ihrer Kritik geprägt wurden und heute, wenn sie scheinbar kaum mehr Bedeutung haben aufspannen zu einem Kontinuum, einem Faden, auf dem sich wie auf einem Bettelarmband unsere kulturellen Äußerungen samt und sonders wohl geordnet aufreihen ließen, vom hellen Licht der Sterne (Stars) im großen Fluß der Geschichte bis hinab zum namenlosen Geröll in der Finsternis des Obskuren im ewigen Dunkel des Untergrunds.

Die These wäre einfach: Die allgemeine Fröhlichkeit nach dem zweiten Weltkrieg, als die Welt im Optimismus des Wirtschaftswunders und des Aufbruchs in neue Zeiten, in denen alles nur noch besser werden konnte und es stets bergauf ging schwelgte, war im Untergrund die Angst, der Schmerz und das Abartige das Gegenstück: „Don't you Think I'm Psycho Mama?“ fragte Eddie Noack 1968 (Lean Payne: https://www.nashvillescene.com/music/article/13045372/the-strange-but-true-story-of-leon-paynes-classic-country-killer-psycho) und seither unzählige Coverversionen, von Elvis Costello bis Beasts of Bourbon.
Heute ist jener Mittelstand, der für die Kultur von der wir immer reden in den elitären Zirkeln, die wir nun Mal sind, tragend ist, prekär und vom Abstieg bedroht und lebt in einer „Gesellschaft der Angst“ (Heinz Bude, hier eine Rezension: https://www.falter.at/falter/rezensionen/buch/556/9783868542844/gesellschaft-der-angst). Und so gewinnt den Eurovision Songcontest 2019 das „Leiden der neuen Schmerzensmänner“ (https://orf.at/stories/3123180/) während im Underground - ja, genau während im Underground?? Das ist die Frage, an der wir uns mit … Kalle… Augusta… Piringer… Klement … so lange reiben wollen bis uns allen heiß wird.
Peter Rantasa (rhiz)

Katharina Klement, suite pour une femme seule, Version 2019 für Zither und analoge Elektronik

Ein Solo, welches sich seit 2015 kontinuierlich rund um das Instrumentarium Zither, Clavichord und analoge Elektronik entwickelt. In mehreren gegliederten Teilen wird entweder mehr die elektronische oder die instrumentale Ebene angespielt. Wenn Pierre Schaeffer und Pierre Henry 1950 eine symphonie pour un homme seul erfinden, liegt es knappe 70 Jahre später in der Luft, eine suite pour une femme seule aus der Taufe zu heben.

Katharina Klement, als „composer-performer“ im Bereich von komponierter und improvisierter, elektronischer und instrumentaler Musik tätig, mit zahlreichen querverbindenden Projekten innerhalb der Bereiche Musik-Text-Video. Besonderes Interesse gilt dem Instrument Klavier und dafür erweiterte Spieltechniken. Sie ist Gründerin und Mitglied mehrerer Ensembles für improvisierte Musik (Duo Klement-Siewert, deepseafish-K, subshrubs, éclair, REDOX).

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. „honorary mention“ 2006 ars electronica Linz,  Kunstpreis Österreich Sparte Musik 2013, Gustav Mahler Preis 2017, 2018/19 Stipendium in Südindien/Tamil Nadu. Ihre Arbeiten sind auf zahlreichen CDs erschienen.
www.katharinaklement.com

Barbi Marković, Frag die Angst

* in Belgrad, studierte Germanistik in Belgrad und Wien. Sie lebt seit 2009 in Wien.

2011/2012 war sie Stadtschreiberin in Graz, die Ergebnisse erschienen 2012 als Graz, Alexanderplatz. 2009 machte sie mit dem Thomas Bernhard-Remix-Roman Ausgehen (2006) als Popliteratin einer neuen Generation Furore. 

Es folgen Kurzgeschichten, Theaterstücke, Hörspiele sowie zahlreiche Preise und Stipendien. Für den Roman Superheldinnen (geschrieben teils auf Deutsch, teils auf Serbisch) erhielt sie 2016 den Alpha Literaturpreis und 2017 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert Bosch Stiftung.

 

Astrid Nischkauer. Text-Sound-Poetin, Performance Künstlerin

Rezensionen und Literarische Selbstgespräche für fixpoetry.com, Übersetzungen, Gedichte, Kurzprosa und Drama. Lebt zwischen Bücherbergen und in Wien. Gedichtbände: Satyr mit Thunfisch. Gedichte, Köln, parasitenpresse, 2018. Poesie passieren & passieren lassen. Gedichte Ausstellung Katalog, Köln, parasitenpresse, 2016. frisch gepresste Parasiten. Gedichte, Köln, parasitenpresse, 2015. Übersetzungsbände: Arvis Viguls: Die Handschrift einer Nadel. Gedichte, aus dem Lettischen, Köln, parasitenpresse, 2019. Meier: Regenbogenfarben des kalten Wetters. Gedichte, Pop Verlag Ludwigsburg, 2019. Hadaa Sendoo: Sich zuhause fühlen. Gedichte, Pop Verlag Ludwigsburg, 2018.

https://astridnischkauer.wordpress.com

jörg piringer.


geboren 1974. lebt in wien. ist mitglied des instituts für transakustische forschung und des gemüseorchesters.

arbeitet in den lücken zwischen sprachkunst, musik, performance und poetischer software.

http://joerg.piringer.net

Kunst oder Unfall aka Augusta & Kalle Aldis Laar. Electro-Acoustic Poetry Duo, München und Wien - Texte, Electronics, Video